Potsdamer EWP rettet den WAZV „Mittelgraben“

und auch die gesamte Informationsveranstaltung zum neuen Wasserwerk, zu der die Nuthetaler Bürgermeisterin Frau Hustig am 2. Juli 2014, 19.00 Uhr eingeladen hatte.

Nicht vordergründig, aber auch das soll erwähnt werden: Beinahe kam es wegen ungenügender Vorbereitung des Vertreters der MWA GmbH, Herr Könnemann, zur Absage der Veranstaltung. Die Bürgermeisterin musste kurzfristig ihr Programm ändern und die etwa 160 erschienen Nuthtaler konnten sich zuerst vom Geschäftsführer der Potsdamer Energie und Wasser GmbH Herrn Wilfried Böhmer über seine Wasserpolitik und die Leistungsfähigkeit seines Betriebes informieren lassen und mit ihm diskutieren.

Herr Böhmer (EWP) springt für den nicht bereiten Herr Könnemann (MWA) ein.

Die Autoren, die in den letzten Monaten im Nuthetaler Gemeindekurier mehrfach zur Thematik publizierten, der Vorsitzende des Zweckverbandes Herr Mirbach und der Geschäftsführer der MWA Herr von Streit blieben der Veranstaltung fern. Die Schilderung der gegenwärtigen vertraglichen Situation zwischen EWP und dem Zweckverband blieb deshalb allein Herrn Böhmer überlassen. Von ihm kam auch die Information, dass seit Oktober 2013 intensive Gespräche zur Ausgestaltung eines neuen Vertrages ab 2017 mit dem Zweckverband stattfanden. Wegen einer zweijährigen Kündigungsfrist muss die weitere Vorgehensweise bis zum Ende d. J. festgeschrieben sein.

Die Akteure v.l.n.r: Frau Hustig Bürgermeisterin, Nuthetal, Herr Könneman, Mitarbeiter der MWA GmbH Kleinmachnow, Herr Böhmer, Geschäftsführer der EWP GmbH und der Stadtwerke Potsdam GmbH.

Gegen 19:50 Uhr konnte dann der MWA-Vertreter mit seinen Erklärungen beginnen, allerdings ohne sich wegen seiner Versäumnisse zu entschuldigen. Die meisten der von ihm gezeigten Informationen und „Planungsgrundlagen“ zur Aufklärung der Einwohner sind als Fotos unten angefügt. (So etwa muss man sich auch die Lichtbildervorträge vorstellen, die von der MWA zur Entscheidungsfindung in Verbandsversammlungen gezeigt werden). Beachtenswert daran ist auch, dass diese trotz berechtigter Kritik während einer gleichartigen Veranstaltung am 20. Juni 2014 in Wilhelmshorst nicht korrigiert wurden, beispielweise fehlte in der geografischer Standortkarte zum Wasserwerk immer noch der Maßstab und die Begrenzung der Schutzzone III, so dass auch diesmal die betroffenen Bürger darüber keine Auskunft erhielten. Das geologisch-hydrologische Gutachten erstellte die international renommierte Firma Fugro Consult GmbH, allerdings stehen die Ergebnisse einer Probebohrung noch aus, die noch starken Einfluss auf die Kosten haben können.

Die wirtschaftlichen Berechnungen wurden zwar erwähnt aber nicht gezeigt. Auch die dazu beauftragten Firmen blieben ungenannt (*). Als wirtschaftliche Grundlagenberechnung wurde folgendes Bild gezeigt:

Ergebnis der wirtschaftlichen Grundlagenstudie, erstellt durch eine oder zwei nicht genannten Firmen.

Wie man hieraus eine erhebliche Reduzierung des Trinkwasserpreises durch den Bau eines eigenen Wasserwerkes ableiten kann, ist dem Schreiber und auch vielen Anwesenden unklar.

Ein gut informierter Bürger bemerkte dazu, dass bei der Annahme einer plausiblen Verzinsung (3,25 %) und einer Rückzahlungsdauer (33 Jahre) und dem MWA-Kostenvoranschlag von 5 Mio. €, ein neues Wasserwerk das Trinkwasser zu einem Preis von etwa 20 Cent/m3 herstellen müsste, um mit den von der EWP GmbH angebotenen Preis (ca. 75 Cent/m³)gleichzuziehen. Allein die jährliche Kreditrückzahlung v on ca. 250 T€ auf 33 Jahre und die Fördermenge von 500.000 m³ würden mit etwa 45 Cent/m³ zu Buche schlagen. Hinzu kommen noch 10 Cent Abführung an die Landes- und Bodenverbände. Lächeln seitens EWP-Chefs: sehr sportliches Ziel – wahrscheinlich werden nichttarifliche Löhne gezahlt. Mit Hilfe einer Kredittabelle (z. B. http://www.zinsen-berechnen.de/kreditrechner.php , http://www.zinsen-berechnen.de/hypothekenrechner.php ) kann der geneigte Leser mit variierenden Zinsen und Laufzeiten ähnliche Kalkulationen anstellen. Der MWA –Vertreter, seines Zeichens Umweltingenieur, kenne solche Rechnungen nicht, sagt er.

Durch mehrfaches und hartnäckiges Nachfragen einiger Bürger wegen widersprüchlichen Angaben der MWA zu einem notwendigen zukünftigen Fremdbezug von EWP-Trinkwasser und den damit verbunden Vertragslaufzeiten und Preisen, bestätigten sowohl Herr Bömer als auch Herr Könnemann, dass dem Zweckverband vor einiger Zeit zwei Angebote unterbreitet wurden, eines über die jährliche Lieferung von 300.000 m³ bzw. 500.000 m³ Trinkwasser mit möglichen Vertragslaufzeiten von 5 bzw. 2 Jahren für diese Mengen. Von dem gegenwärtigen Preis von 90 Cent/m³ könnte man etwa 15 % nachlassen. Damit wäre die Katze aus dem Sack und eigentlich der durch die MWA-GmbH aufgebaute Zeitdruck zum Bau des Wasserwerkes nicht mehr vorhanden, wie ein frisch gewähltes Nuthetaler Mitglied der Verbandsversammlung feststellte.

Fazit: Seit etwa 2010 gibt es im WAZV „Mittelgraben“ in Verbindung mit seinem Geschäftsbesorger der MWA GmbH Diskussionen, dass Trinkwasser von einem eigenen Wasserwerk billiger zu produzieren sei als der vertraglich geregelte Bezug von Potsdam. Auch in dieser Veranstaltung ist man den Einwohnern einen Beweis dieser Behauptung schuldig geblieben. Ob die neue Information über die beiden Angebote der EWP GmbH mehr als nur eine Hoffnung ist wird bezweifelt. Man weiß jetzt allerdings, dass durch das Verschweigen der Angebote durch die MWA und dem WAZV in den letzten Monaten ein Zeitdruck aufgebaut wurde, um ein Bauzusage von die Verbandsversammlung zu erzwingen. Allerdings scheint es, dass man seitens der MWA diesen Plan immer noch nicht aufgegeben hat, da schon Ausschreibungen für die Planung in Auftrag gegeben wurden, obwohl eine Entscheidung der Verbandsversammlung erst im November d.J. getroffen werden soll. Es ist immer noch so, dass die Mitglieder der Verbandsversammlung und Baubefürworter aus dem Michendorfer Gemeinderat stimmenmäßig in der Mehrheit sind, notfalls hilft, wie seit langem praktiziert, ein Bindungsbeschluss. Allerdings könnte die verspätete Wahl am 6. Juli 2014 zum Michendorfer Gemeinderat die dort herrschenden Interessen ändern.

Fast zum Schluss brachte wiederum ein gut informierter Bürger ans Licht, dass der geplante Standort des Wasserwerkes vermutlich im Einzugsgebiet des Potsdamer Wasserwerkes Leipziger Straße liegt. Falls dies durch die zuständige Landesbehörde bestätigt wird, drohen zwischen den Potsdamer und den Mittelmärkischen Wasserversorgern gerichtliche Auseinandersetzungen, die erfahrungsgemäß Jahre dauern und die von dem Verband ausgehaltenen Anwaltsbüros mitversorgen. Die PNN vom 04. Juli weist noch prononcierter auf diesen Umstand hin (PNN 04.07.2014).

Und um ein Auge auf die Preise anderer Verbände zu werfen: Der Gesamtwasserpreis im Nachbarverband beträgt brutto 1,32 € (MAZ 03.07.2014). Fast soviel kalkuliert er Verband „Mittelgraben“, nämlich brutto ca. 1,15 €, als Zuschlag auf den gegenwärtigen Potsdamer Wasserpreis noch obenauf. Diese Rechnung ist zwar nicht ganz korrekt, da im Mittelgraben auch eigenes Wasser produziert wird, dessen Preis aber dem Schreiber nicht bekannt sind, bestimmt aber unter 90 Cent/m³ liegt.

Ein aufmerksamer Zuhören brachte die Situation mit der Frage auf den Punkt: Welcher Teufel hat die MWA geritten, massiv für den Bau eines eigenen Wasserwerkes zu streiten. Unsere Vermutung, es muss nicht unbedingt der Teufel sein, es gibt sicherlich irdischere Gründe. Blut ist eben dicker als Wasser. Aber die Wähler sind nicht dumm.

(*)Interessierte Bürger, aber auch Nuthetaler Gemeinderatsvertreter könnten versuchen vom Geschäftsleiter des Planungsbüros PBV Potsdam GmbH Herrn Schmidt, Schlaatzweg 1A in 14473 Potsdam (höchstwahrscheinlich eine der beiden involvierten Firmen) detailliertere Angaben zu erhalten. Die Kostenberechnung von 5 Mio. € führt sicher noch zu Diskussionen.

 

Liebe IWA-Mitglieder Nicht vergessen: Die Altanschließerproblematik ist noch offen und die Prozesse benötigen noch etwas finanzielles Polster, darum Mitgliedsbeiträge für 2014 nicht vergessen.

 

 

 

 

 

Poster vor der Aula der Otto-Nagel Grundschule Bergholz-Rehbrücke

Wie der Zweckverband allerdings die eingezahlten Beiträge von ca. 2,6 Mio. € zurückzahlen will bleibt sein Geheimnis. Steht ein neuer Kassenkredit an?

 

 

 

 

 

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MWA-Präsentation für Nachleser und die Daheimgebliebenen:


















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