Korrektur “falscher” Fehler

Während des öffentlichen Teils der Verbandsversammlung des WAZV „Mittelgraben“ am 26. November 2014 nahm Herr Könnemann von der Mittelmärkische Wasser- und Abwasser GmbH (MWA) zu den Berechnungen (Beitrag „Wasserwerk Adé“ vom 18. Oktober 2014) des Interessenvereins Wasser und Abwasser e.V. bezüglich des Neubaus eines Wasserwerkes Stellung.

Herr Könnemann kritisierte an dem Beitrag und den darin veröffentlichten Stellungnahme des IWA e.V., dass bei der Kostenvergleichsrechnung (KVR)zwischen dem Neubau eines Wasserwerkes und dem Fremdbezug von Trinkwasser von den Stadtwerken Potsdam GmbH mit der Methode des dynamischen Barwertes fälschlicherweise Zinsen für Investition „Wasserwerk“ berücksichtigt wurden.

Es sei hier erlaubt, kurz die Philosophie der KVR „Dynamischer Barwert“ zu erläutern. Als Grundlage dazu dienen die unten aufgeführten Leitlinien (2012)* der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) und den darin angegebenen Berechnungsformeln. Bei der KVR sollen Alternativen verglichen werden, die in ihren Nutzen und Sozialkosten äquivalent sind, also hier die Trinkwasserversorgung für die Bevölkerung in Interesse des Gemeinwohles sichern sollen. Methodisch werden die Kosten so berechnet, als ob die dazu notwendigen Finanzen für die alternativen Projekte, deren Aufbau und Erhaltung sich über die gesamte Lebensdauer erstrecken, auf einem Konto vorhanden und zum entsprechenden Zeitpunkt für die Teilprojekte verfügbar wären. Als Kosten für die Teilprojekte werden gegenwärtige Preise angesetzt. Die Methode berücksichtigt, dass einmal die Preise für die Folgeinvestitionen (Erneuerungen, Ersatz) einer Teuerungsrate (Inflation) unterliegen, zum anderen die Einlagen auf dem Konto für die späteren Zahlungen Zinsen abwerfen. Das bewirkt, dass der gegenwertige Barwert (Bargeld) z.B.für eine Investition in 10 Jahren geringer ist als das in 10 Jahren benötigte Bargeld, vorausgesetzt die Teuerungsrate ist geringer als die Zinsrate. Anders formuliert:

Mit der dynamischen KVR erhält man aus zwei gegebenen alternativen Möglichkeiten die preisgünstigste Anlage für ein vorhandenes Vermögen.

Der gravierendste Nachteil dieser Methode ist, dass sie es nicht gestattet absolute Kosten zu berechnen, sondern nur relative Werte liefert. Eine Aussage über zukünftige Wasserpreise ist damit also nicht möglich. Ein zweiter Nachteil ist, dass eventuelle Kreditkosten (z. B. Zinszahlungen und Bearbeitungskosten an Banken), die für Investitionen anfallen, nicht berücksichtig werden.

Interessierte Leute mit einem etwas komfortableren Taschenrechner aber mit ähnlich geringem Verständnis für die Höhen des Finanzwesens und die Tiefen der Ökonomie wie ich finden im Anhang (Barwert-Beispiele) die beiden Formeln für die Barwerte für einmalige Investitionen und für laufende Kosten sowie einige anschauliche und nachvollziehbare Beispiele.

Zu unseren Rechnungen: Der Streitpunkt sind die „einmaligen“ Investitionskosten für das Wasserwerk (angenommen 5.029.110 €). Nach der Barwertmethode sind diese Kosten identisch mit dem Barwert. Wir sind davon ausgegangen, dass für diese Investition ein Hypothekendarlehen mit einem nominalen Sollzinssatz von 3 % p.a. aufgenommen werden muss und ermittelten dafür eine jährliche Rückzahlrate von 194.311 € (Laufzeit 50 Jahre). Da wir diese Zahlungen als laufende Kosten betrachtet haben, werden bei der dynamischen Barwertmethode die Zinsen wieder herausgerechnet aber die angenommen Teuerungsrate (1% p.a.) berücksichtigt. Das ist bei der reinen Barwertmethode ein Fehler, und zwar wurde damit der „Barwert“ des Investition „Wasserwerk“ um ca. 1,1 Mio. € zu hoch angegeben. Diese 1,1 Mio. Sind aber keine Zinsen sondern ist die Teuerungsrate, der gesamte Zinsbetrag würde fast 4,7 Mio. € betragen. Für diesen Fehler möchte ich mich entschuldigen.

Die Könnemannsche Kritik ist, wenn überhaupt, nur teilweise berechtigt. Eine in Rechnungstellung von Kreditzinsen hat nämlich nicht stattgefunden, sonst wäre der “Barwert“ des Wasserwerk noch um 3,5 Mio. € höher.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Barwertmethode zur Beurteilung von Investitionsentscheidungen nicht ausreichend ist. Deshalb wird es nach DWA-Leitlinien (2012)* für unumgänglich gehalten, die Sicherheit der Bargeldmethode zu kontrollieren und eine Kosten/Nutzen-Rechnung durchzuführen, denn bei der Barwertmethode bleibt die Nutzenseite völlig unberücksichtigt. Außerdem fehlen in den Berechnungen der MWA eine Empfindlichkeitsprüfung und die Ermittlung kritischer Werte, um den Einfluss von Unsicherheiten und Änderungen wichtiger Planungsgrößen auf das Ergebnis zu ermitteln. Die dynamische Barwertanalyse stellt somit eine sehr einfache und vorläufige Methode dar, um bei geringen Vorkenntnissen einen Kostenvergleich durchzuführen.

Durch die Terminverschiebung der Entscheidung über einen Neubau ist es jetzt möglich weitere umfangreichere Kenntnisse in ein Finanzierungsmodell einfließen zu lassen, z. B. dass man weder das Geld für das Wasserwerk als auch für den Fremdkauf von Trinkwasser nicht auf der hohen Kante hat, die Teilkosten zu präzisieren als auch unterschiedliche Methoden darauf anzuwenden (siehe z.B. DWA-Leitlinien 2012, S.14, LAVA 14). Falls wirklich sachliche Argumente für oder gegen den Wasserwerksbau im Vordergrund stehen sollte man jetzt die Zeit dafür nutzen.

* DWA: Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen (KVR-Leitlinien), Arbeitsanleitung zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen für Projektplanungen in der Siedlungswasserwirtschaft, 8. Überarbeitete Auflage, Juli 2012, Herausgabe in Kooperation DWA und DVGW (Deutscher Verein des Gas-und Wasserfaches e. V.), Miturheber und Lizenzgeber: Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA), DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V., Hennef 2012.

Freihandelsabkommen  

Zur Ergänzung und Aktualisierung des Beitrages vom 25.Januar 2015 „Schlimmer geht`s immer – TiSA), auch Anbetracht der aktuellen „8. Verhandlungsrunde (02. Februar bis 06. Februar 2015) zu TTIP in Brüssel (http://www.bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirtschaft/Ttip/verhandlungsprozess.html Ersatz: http://m.bmwi.de/DE/presse,did=687866.html) soll hier noch einige über einige Fakten Inhalt von TiSA und Aktivitäten dagegen informiert werden.

Es schält sich immer mehr heraus, dass es dabei um die Privatisierung von Dienstleistungen zur Daseinsfürsorge der Bevölkerung geht. Dazu gehören solche lebenswichtigen Bereiche wie die Bildung-vom Schulwesen, Universitäten bis hin zur Erwachsenenqualifizierung-, die Trinkwasserversorgung, die Weitergabe europäischer Bankdaten an die USA, Internationalisierung der Leiharbeit, Privatisierung der Sparkassen, des Gesundheitswesen, der Kultur, Kunst und Kommunikationsdienstleistungen, des öffentlicher Nahverkehr, der Abfallentsorgung, Feuerwehr usw. Festgeschrieben werden soll auch eine Unumkehrung der Privatisierung.

Das Chlorhühnchen oder der Schwarzwälder Schinken ist dagegen ein „Spaß“, allerdings tauglich als Ablenkungsmanöver.

Wenn einer argumentiert, Privatwirtschaft arbeite effektiver, muss er sich die Frage gefallen lassen, „effektiver für wen?“. Die Erfahrung zeig bei allen bisherigen Privatisierungen wie die Eisenbahn in Großbritannien, Trinkwasser in Berlin, Strom in Deutschland usw: mindere Qualität, geringere Sicherheit, höhere Preise. Beispiele sind: Anstieg der Wasserpreise um 260% in Frankreich, Preiserhöhungen von über 400 % bei sinkender Trinkwasserqualität in Portugal, Engpässe bei der Wasserversorgung und Gebührenerhöhung um 89% in Argentinien, Teilprivatisierung in Berlin über Veolia und Wasserpreisanstieg um „nur“ 30%.

Weiter wird behauptet, es werden Arbeitsplätze geschaffen. Diese Totschlagargument wird immer dann verwendet wenn kein anders mehr vorhanden ist. Es ist zudem unlogisch, da es dem eigentlichen Ziel des Abkommens, der „Effektivierung“ der Prozesse und der Gewinnmaximierung diametral entgegensteht, es sei denn die Arbeit wäre nahezu kostenlos. Es werden Anlage- und Verwertungsmöglichkeiten für das reichlich vorhandene frische Kapital gesucht.

Die Daseinsfürsorge, die existentiell zu den Aufgaben der der öffentlichen Hand gehört, darf nicht als Ware gehandelt werden, die sich nur gut Betuchte leisten können und die „Unterklassen“ systematisch davon ausgeschlossen bleiben. Allerdings ist zu spüren, dass „staatliche“ Konzerne wie DBB und BVB auch diesen Trend unterliegen.

Die Geheimhandlungsvorschriften über diese Verhandlungen sind schon fast grotesk. Auf dem Deckblatt des Verhandlungstextes soll vermerkt sein: „USA Geheim. Dieses Papier darf fünf Jahre lang nicht einfach veröffentlicht werden und nur in gesicherten Räumen aufbewahrt werden. Selbst wenn es nicht abgeschlossen werden sollte, sind die Papiere geheim zu halten.“

In breiten gesellschaftlichen Kreisen der Bundesrepublik regt sich bis hinein in Landes- und Ortsverbände der SPD Widerstand, von Brandenburg ist allerdings in diesem Zusammenhang wenig zu vernehmen.

Helmut Grosser

Weitere Tipps zur Information:

Water Makes Money Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen: https://www.youtube.com/watch?v=hjIhnLoxFNE

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/dienstleistungsabkommen-tisa-100.html

SPD-Brandenburg 02.12.2014

Landesregierung Brandenburg 08.01.2015

SPD_Bayern 19.01.2015

SPD-Seefeld 19.01.2015

SPD-Schwaben 30.01.2015

Die Freiheitsliebe 22.01.2015